Abdominalschmerzen (Kind): Diagnose
Fälle und andere multimediale Materialien zum Lernen!
In Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien und deren Serviceeinrichtung
"Medical Media Services" finden Sie hier Lehrmaterial in Form von
Lehr-Krankengeschichten zum Thema "Peritonitis - Abdominelle Sepsis"!
Autoren: P. Götzinger, R. Exner
Abdominalschmerzen (Kind)
Häufigkeit
Häufig bei chronisch-rezidivierenden Bauchschmerzen nur in 5-10% der Fälle organische Ursachen
Einteilung
- Akute Bauchschmerzen (s. a. Abdomen, akutes)
- Chronisch-rezidivierende Bauchschmerzen
Ätiologie
Oberbauchschmerzen
Entzündlich
zum Beispiel Hepatitis, Gastritis, Cholezystitis, Leberabszess, subphrenischer Abszess, Pankreatitis, atypische Appendizitis
Passagestörung
zum Beispiel Gallenkolik, Magenvolvulus
Extraabdominell bedingt
zum Beispiel Unterlappenpneumonie, Reflux-Ösophagitis, epigastrische Hernie, Pleuritis
Sonstiges
zum Beispiel Magen- und Duodenalulzera, Stauungsleber
Unterbauchschmerzen
Entzündlich
zum Beispiel Appendizitis, Colitis ulcerosa, M. Crohn, Divertikulitis, Pyelonephritis, Zystitis, Peritonitis
Passagestörung
zum Beispiel inkarzerierte Hernie, Mekoniumileus, Hydronephrose, Nierenkolik, Invagination, Kolonpolypen, Bridenileus, paralyt. Ileus
Erkrankungen der Genitalorgane
zum Beispiel Hodentorsion, Eierstocktorsion, Salpingitis, Ovulationsschmerz
Variable oder diffuse Lokalisation
Entzündlich
zum Beispiel Enteritis, Yersiniose, Peritonitis
Passagestörung
zum Beispiel Missbildungen (Atresie, Stenose, Malrotation etc.), Volvulus, Briden, entzündliche Stenosen, Ileus, massiver Askaridenbefall
Funktionell
zum Beispiel „Nabelkoliken“, Colon irritabile, chronisch-habituelle Obstipation, Abdominalmigräne
Allgemeinerkrankungen
zum Beispiel bauchferne Infektionen und Infektionskrankheiten (Tonsillitis, Meningitis, beginnende Mumps etc.), Myalgia epidemica, Purpura Schoenlein-Henoch, familiäres Mittelmeerfieber, hormonelle Störungen (Phäochromozytom, Karzinoid-Syndrom etc.), metabolische Störungen (diabetische Ketoazidose, Hypoglykämie, azetonämisches Erbrechen etc.)
Sonstiges
zum Beispiel Nahrungsmittelallergie, adulter Laktasemangel, Simulation, vegetativ (Angst, Spannungszustände)
Anamnese
- Schmerzcharakter, -dauer und -lokalisation, Häufigkeit der Schmerzattacken
- Stuhlanamnese
- Schmerzauslösende Faktoren (z. B. bestimmte Nahrungsmittel, Defäkation, psychisch belastende Situationen etc.)
- Familienanamnese
Häufige Begleitsymptome
Fieber
Appendizitis, Enteritis, Peritonitis, Harnwegsinfekte, Unterlappenpneumonie, M. Crohn, Cholezystitis, abdominelle Abszesse, periodisches Syndrom (Migräne-Attacken mit Fieber)
Erbrechen
Appendizitis, Enteritis, Invagination, Ileus, Peritonitis, Harnwegsinfekte, Nieren- und Ureterkoliken, Gallenkoliken, Purpura Schoenlein-Henoch, diabetische Ketoazidose, M. Crohn, Ulcus pepticum, Cholezystitis, azetonämisches Erbrechen, „Nabelkoliken“, Abdominalmigräne
Meteorismus
Enteritis, paralytischer Ileus, Cholezystitis, adulter Laktasemangel, Trimenonkoliken, Colon irritabile
Diarrhoe
Enteritis, M. Crohn, Colitis ulcerosa, adulter Laktasemangel, Colon irritabile
Blutige Stühle
Enteritis, Invagination, Purpura Schoenlein-Henoch, M. Crohn, Colitis ulcerosa, Kolonpolypen, Meckelsches Divertikel
Obstipation
Appendizitis, Invagination, mechanischer und paralytischer Ileus, spastische Obstipation, chronisch-habituelle Obstipation, Ulcus pepticum
Diagnostik
Klinik
- Genaue Beobachtung des Kindes (Gesichtsausdruck, Abwehrmechanismen, Apathie, Körperhaltung, Vermeidung von Lagewechsel etc.)
- Sorgfältige körperliche Untersuchung inklusive rektaler Austastung, Temperaturmessung (rektal, axillär)
Labor
- Urinstatus
- Nierenparameter, Bilirubin
- Stuhldiagnostik, vor allem bei enteritischen Symptomen, evtl. Benzidinprobe
- Blutbild, Elektrolyte, CRP, BKS, Blutzucker, Blutgase, evtl. Transaminasen, Amylase, Serologie (Hepatitis, Salmonellen, Yersinien, Campylobacter jejuni, Helicobacter etc.), Gerinnung, IHA (indirekte Hämagglutination), EMA
- Immunologie (spezielle Untersuchungen)
Röntgen
- Sonographie: wichtig bei Verdacht auf Appendizitis, Invagination, Nieren- und Gallenkoliken, Harnwegsinfekte
- Abdomen-Leeraufnahme: bei jedem akuten Abdomen
- Kontrastmittel-Untersuchungen: wichtig bei Verdacht auf M. Crohn, Colitis ulcerosa, Missbildungen (z. B. Harnwege)
Endoskopie
Eventuell mit Biopsie; indiziert bei Verdacht auf M. Crohn, Colitis ulcerosa, Ulcus pepticum, Kolonpolypen
Untersuchungen bei speziellen Indikationen
Röntgenthorax, H2-Atemtest, Metaraminol-Test, Porphobilinogen im Urin etc.
Merke!
- Je jünger das Kind, desto uncharakteristischer die Symptomatik
- Je nabelferner und präziser die Schmerzlokalisation, desto wahrscheinlicher ist eine organische Ursache
- Bei rezidivierenden Bauchschmerzen mit Fieber immer chronisch-entzündliche Darmerkrankungen ausschließen!
- Sofortige Klinikeinweisung bei akutem Abdomen, Verdacht auf Appendizitis, Wechsel zwischen Koliken und Apathie beim Säugling (Invagination!)
Kurzbeschreibung wichtiger Differenzialdiagnosen
Appendizitis
Abdominalsymptome
Zuerst meist unregelmäßige Schmerzattacken periumbilikal oder epigastrisch, dann kontinuierliche oder kolikartige Schmerzen im rechten Unterbauch
Begleitsymptome
Übelkeit, Erbrechen, Obstipation oder Diarrhoe, +/- Fieber
Lokalbefunde
Abwehrspannung und Druckschmerz im rechten Unterbauch, Loslassschmerz, Verschwinden des rechten unteren Bauchhautreflexes, Zunahme der Schmerzen bei Hüpfen auf dem rechten Bein, bei Rektaluntersuchung schmerzhafte Resistenz tastbar
Diagnostik
Blutbild (Leukozytose nicht obligat!), Entzündungsparameter, Urinstatus, Abdomensonographie
Komplikationen
Perforation (cave: plötzliche Schmerzfreiheit!), perityphlitischer Abszess, Peritonitis, Verwachsungen, chronische Appendizitis
Invagination
Abdominalsymptome
Meist im 1. Lj. intermittierende kolikartige Bauchschmerzen mit Brechattacken, unterbrochen von symptomfreien Phasen, in denen das Kind erschöpft und verfallen wirkt
Begleitsymptome
Kreislaufschock, Stuhlverhalt oder schleimig-blutige Diarrhoe
Lokalbefund
Eventuell walzenförmiger Tumor im rechten Unter- oder Mittelbauch, bei rektaler Untersuchung oft Blut am Fingerling
Diagnostik
Abdomen-Sonographie, Abdomen-Leeraufnahme
Harnwegsinfekte (Kind)
(s. dort)
Trimenon-Koliken
Symptome
In den ersten 3 - 5 Lebensmonaten krampfhaftes Anziehen der Beine, nicht unterbrechbares Schreien, vermehrter Windabgang
Lokalbefund
oft gespanntes, berührungsempfindliches Abdomen
Funktionelle Bauchschmerzen älterer Kinder („Nabelkoliken“, Colon irritabile)
Abdominalsymptome
Rezidivierende kolikartige Schmerzen periumbilikal bzw. im Kolonbereich, oft durch psychische Faktoren ausgelöst
Begleitsymptome
Blässe, haloniertes Aussehen, Schweißausbruch, Erbrechen, bei Colon irritabile Diarrhoe (evtl. im Wechsel mit spastischer Obstipation)
Lokalbefund
Abdomen meist weich, oft diffuser oder lokaler Druckschmerz (periumbilikal bzw. linker Unterbauch)
Diagnostik
Ausschluss organischer Erkrankungen
Abdominalmigräne
Anamnese
oft Migräne in der Familie!
Abdominalsymptome
Paroxysmal auftretende, heftige, meist diffuse Schmerzen
Begleitsymptome
Blässe, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel, Diarrhoe
Lokalbefund
uncharakteristisch
Diagnostik
evtl. EEG
Purpura Schoenlein-Henoch
Abdominalsymptome
Kolikartige Schmerzen, Ileussymptomatik durch Invagination möglich
Begleitsymptome
Petechiale Hautblutungen, blutige Stühle, blutiges Erbrechen, Arthritis, nephritische Hämaturie
Lokalbefund
diffuse Druckschmerzhaftigkeit, evtl. Abwehrspannung
Letztes Update:24 Mai, 2011 - 09:50









